Geldmünzen einzahlen? Bitte nicht!

Euro-Münzen

Kleingeldzählen nervt – ab sofort auch die Banken. Denn die müssen künftig jede einzelne Münze auf Echtheit überprüfen. Dafür sorgt eine EU-Verordnung, die teuer für alle Beteiligten wird. Was bisher kostenlos war, könnte dem Deutschen Sparer bald teuer zu stehen kommen.

Einzahlung von Hartgeld

Der Gang zur Bank mit gesammeltem Kleingeld ist für viele Sparer ein feierliches Ritual. Die über Jahre zurückgelegten Münzen in der Filiale einzuzahlen und auf das eigene Girokonto oder Tagesgeldkonto zu überweisen: Ein tolles Gefühl!

Die meisten Banken unterstützen dieses Verhalten. Schließlich tragen Kunden so zum Rücklauf von Hartgeld in den Finanzkreislauf bei. In zahlreichen Banken fanden sich daher Einzahlautomaten, die das Kleingeld automatisch sortierten – und das meistens kostenlos. Doch damit soll jetzt Schluss sein.

Überprüfung auf Echtheit

Der Umlauf von Falschgeld ist in den vergangenen Jahren erheblich gestiegen. Allein im ersten Halbjahr 2014 stellte die Bundesbank eine spürbare Zunahme um 23 % im Vergleich zum zweiten Halbjahr 2013 fest.

Deshalb verschärft eine neue EU-Verordnung seit dem 01. Januar 2015 die Kontrolle von Falschgeld. In Zukunft muss jede Münze, die zur Einzahlung abgegeben wird, überprüft werden. Bei der sogenannten „Bargeldprüfverordnung“ entsteht ein enormer Aufwand, der die Banken Zeit und Geld kostet.

Gebühren für Sparer

Laut Sparkassenverband fallen bei einem mittelgroßen Institut 400.000 Euro an Kosten mit Einführung der neuen Regelung an. Allein die Umsetzung technischer Maßnahmen (z.B. eine neue Kontroll-Bandstraße) koste 200.000 Euro.

Diesen Aufwand wollen viele Banken nicht allein tragen. Deshalb müssen Kunden in Zukunft Gebühren für jede Einzahlung aufbringen. Doch die genauen Konditionen sind uneinheitlich:

Einige Geldinstitute verlangen Gebühren zwischen 0,50-5 Euro je Einzahlung, andere nehmen künftig keine Münzen mehr von Nicht-Kunden an und wieder andere nehmen grundsätzlich gar keine Münzen mehr entgegen. Informieren Sie sich bei Ihrer Hausbank nach den geplanten Änderungen.

Kritik an der Verordnung

Vertreter der Branche fühlen sich von der EU-Verordnung im Stich gelassen. Denn im Gegensatz zu Geldscheinen ging die Zahl der Münzfälschungen in diesem Jahr laut Bundesbank deutlich zurück. Angesichts des vergleichsweise geringen volkswirtschaftlichen Schadens äußerte ein Sprecher des Sparkassenverbandes: „Brüssel löst damit ein Problem, das gar keines war.“

Ausnahmen

Kinder jedoch können ihr Sparschwein weiterhin unbesorgt zur Bank bringen und sich über das gesammelte Geld auf ihrem Taschengeldkonto freuen. Denn bei ihnen erheben Banken in absehbarer Zeit keine Gebühren. Vermutlich wäre der Image-Schaden zu groß für die meisten Kreditinstitute, wenn sie ihren potenziellen Kunden von morgen bereits Gebühren beim ersten Gang zur Filiale in Rechnung stellen würden. Auch die Kirchen werden (noch) nicht zur Kasse gebeten. Ihre Kollekte bleibt vorerst gebührenfrei.

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